Hanno Fischer Lebenslauf

Pionier der deutschen Nachkriegs-Luftfahrt

Hanno Fischer

(1924–2024)

Hanno Fischer war Konstrukteur, Pilot und Unternehmer – und einer der prägendsten Ingenieure der deutschen Nachkriegs-Luftfahrt. Schon früh verband er technisches Können mit visionärem Denken. Seine Entwürfe reichten von der RW-3 über Mantelpropeller-Projekte bis zu Bodeneffekt-„Flugschiffen“ – und stehen bis heute für Mut, Neugier und Erfindergeist.

hanno fischer sat in rw 3

Key Facts

  • Name: Dipl.-Ing. Hanno Fischer (15.11.1924–25.11.2024)
  • Rollen: Konstrukteur, Pilot, Unternehmer (Rhein-Westflug; Technischer Leiter RFB; Gründer „Fischer Flugmechanik“)
  • RW-3 (Erstflüge 1956/57): erstes in Westdeutschland in Serie gebautes Leichtflugzeug; Druckpropeller-Layout; Einziehfahrwerk mit mechanisch/elektrisch gekoppeltem Ablauf.
  • Mantelpropeller-Programm: Sirius I/II, Fanliner (1973/76), Fantrainer (ab 1977) – „Jet-Handling“ mit Propeller.
  • Bodeneffekt (WIG): RFB X.113/X.114 (1969–77); ab 1979 privat fortgeführt bei FF (Airfish/Hoverwing).
  • Whisperfan: leiser Mantelpropeller; RW-3M-Versuchsträger (D-EKUM).
  • Pilot: aktiv bis über 90; Außenlandung 2017 mit D-EKUM.
  • Besonderheit: Brückenschlag zwischen Luftfahrt & Schiffbau durch WIG-Fahrzeuge.
hanno fischer


Frühe Jahre, Krieg, Nachkriegszeit (1924–1954)

Geboren am 15. November 1924 in Wünschelburg (Schlesien). Frühkontakt zur Fliegerei über den Segelflug; 1943 erster Alleinflug, anschließend Ausbildung zum Jagdflieger im Jagdgeschwader 3. Er flog die Focke-Wulf 190 und wurde am 1. Mai 1945 über der Oder von einer Rotte aus sieben sowjetischen Jak-Flugzeugen abgeschossen. Er setzte zur Bauchlandung im Gelände an; mehrere Einschüsse im Rückenpanzer des Cockpits zeigen, wie knapp er dem Tod entkam.

focke wulf fw 190
Die Focke-Wulf Fw 190 war ein Jagdflugzeug des Zweiten Weltkriegs.
Produktionszeit (1941 bis 1945. (Erstflug 1939)

Nach der Kapitulation floh er mit einer Bf 108 „Taifun“ nach Göttingen und geriet anschließend für drei Jahre in französische Kriegsgefangenschaft. 1948 kehrte er nach Deutschland zurück, heiratete und begann ein Maschinenbau-Fernstudium. Während Motorflug in Deutschland noch untersagt war, tüftelte Fischer bereits wieder an Flugzeugen.

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Messerschmitt Bf 108 in der Werksbemalung der Messerschmitt AG

Neustart der zivilen Luftfahrt: FiBo 2, Rhein-Westflug & die RW-3 (1951–1961)

FiBo 2 (ab 1951): Früher Eigenentwurf als Keimzelle für spätere Konzepte mit Druckpropeller im Heck.

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Hans Otto Fischer, Westhoven bei Porz/Rhein
ist als Erfinder genannt worden
Segelflugzeug mit im Rumpf eingebautem Hilfstriebwerk
Patentiert im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland vom 16. Januar 1952 an
Patentanmeldung bekanntgemacht am 8. Juni 1955
Patenterteilung bekanntgemacht am 15. Dezember 1955

Rhein-Westflug Fischer & Co. wurde 1955 in Köln-Porz gegründet. Ziel war ein modernes, leichtes Reiseflugzeug in ungewöhnlicher Auslegung – Motor im Rumpf, Fernwelle zum Druckpropeller. Die RW-3 entstand binnen rund eines Jahres: Der erste Prototyp D-EJAS flog im Februar 1956, ging jedoch kurz darauf verloren. Der Unfall der D-EJAS war eindeutig auf einen Fehler des externen Demopiloten zurückzuführen – bei einem tiefen Vorbeiflug kam es zu einer Bodenberührung, die zum Verlust des Flugzeugs führte. Hanno selbst war an diesem Flug nicht beteiligt.

Die zweite Maschine, D-EKUM, folgte als V2 im Februar 1957 und wurde anschließend als Serienmuster weiterentwickelt. Ab 1958 begann Rhein-Flugzeugbau (RFB) in Mönchengladbach mit dem Serienbau. 1959 erteilte das Luftfahrt-Bundesamt die Musterzulassung (Nr. 509/SA). Die RW-3 war damit das erste in Westdeutschland nach dem Krieg in Serie gefertigte Leichtflugzeug.

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D-EKUM bei der Landung in Mönchengladbach mit Hanno Fischer
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RW-3 Prototyp D-EJAS im Flug (1956) – Erstes in Deutschland nach dem Krieg entwickeltes Leichtflugzeug. Aufnahme aus der Erprobungsphase vor dem Deutschlandflug 1956.

RW-3 – Technik und Besonderheiten

Die RW-3 war als Mitteldecker mit T-Leitwerk ausgelegt. Der Motor war vollständig im Rumpf untergebracht und trieb über eine Fernwelle den Druckpropeller in der Seitenflosse an – ein damals völlig neuartiges Konzept.

Das Fahrwerk war technisch besonders raffiniert: Das Bugrad wurde mechanisch mit Handkraft eingezogen. Über einen Seilzug wurden dabei gleichzeitig die Sperrklinken des Hauptfahrwerks gelöst und ein Mikroschalter aktiviert, der das elektrische Einziehen der Hauptfahrwerksbeine auslöste. Im eingefahrenen Zustand verriegelte das Hauptfahrwerk elektrisch.
Im Cockpit zeigte eine dreifarbige Anzeige den jeweiligen Zustand an: dreimal grün bedeutete „ausgefahren und verriegelt“, dreimal rot „vollständig eingefahren“. War die Anlage richtig eingestellt, funktionierte sie äußerst zuverlässig – eine für die 1950er-Jahre sehr pfiffige Kombination aus Mechanik und Elektrik.

Anfangs war die RW-3 mit Porsche-Boxermotoren (65–75 PS) ausgestattet; später wurde die Version „Passat“ mit Lycoming-Motoren bis 150 PS gebaut.

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Mitteldecker mit T-Leitwerk
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Druckpropeller über Fernwelle
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Fahrwerkshebel vorne links im Fußraum
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Hauptfahrwerk wird elektrisch eingezogen
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Cockpit RW3 mit Fahrwerksanzeige

Zwischenprojekte RF-1 und LFU 205

Bevor Fischer sich vollständig den Mantelpropeller-Konzepten widmete, konstruierte er zwei bemerkenswerte Versuchsmuster:

  • RF-1 (Erstflug 1960): Ein experimenteller Erprobungsträger und zugleich Hanno Fischers erster Eigenentwurf bei Rhein-Flugzeugbau. Das Flugzeug war mit zwei gekoppelten Lycoming-Motoren ausgerüstet, die gemeinsam einen zentralen Mantelpropeller antrieben – ein damals völlig neuartiges Konzept. Die RF-1 diente der Untersuchung von STOL-Eigenschaften und des sogenannten Channelwing-Prinzips, bei dem der Flügel in den Propellerstrahl integriert ist. Aus den aerodynamischen Messdaten dieser Erprobung entwickelte Fischer später die integrierte Mantelschraube, die zur Grundlage des RFB-Fanliners und Fantrainers wurde.
  • LFU 205 (Erstflug 1968): Eines der ersten Motorflugzeuge der Welt in Vollkunststoffbauweise. Entwickelt von der Leichtflugtechnik Union (Bölkow, RFB und Pützer) als gemeinsames Forschungsprojekt zur Erprobung neuer Faserverbund- und Sandwichtechniken. Hanno Fischer war über Rhein-Flugzeugbau maßgeblich beteiligt. Die hier erstmals eingesetzte Schlauchbauweise wurde später auch im Flugzeug- und Transall-Ruderbau übernommen. Die LFU 205 gilt als Meilenstein der Werkstofftechnik und als Pionierflugzeug des modernen GFK-Leichtbaus.
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Rhein-Flugzeugbau RF-1 (1960) – Erster Eigenentwurf von RFB mit doppelt gekoppelten Lycoming-Motoren und Mantelpropeller. Der Prototyp D-IBIR diente der Erprobung des Channelwing-Prinzips und war unmittelbarer Vorläufer späterer Mantelschrauben-Konzepte.
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LFU 205 (1968): Weltweit erstes Motorflugzeug in Vollkunststoff-Sandwichbauweise. Entwickelt von der Leichtflugtechnik-Union (Bölkow, Rhein-Flugzeugbau, Pützer) als Technologieträger für moderne Faserverbund-Flugzeuge.
Foto: Von DLR, CC-BY 3.0, CC BY 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18556305

RFB-Jahre, Mantelpropeller, Fanliner/Fantrainer (1960er–1980er)

Fischer wechselt zu Rhein-Flugzeugbau (RFB) nach Mönchengladbach, wo er später Technischer Leiter wird. Parallel treibt er das Thema Mantelpropeller (Ducted Fan) voran, um „jetähnliches“ Flugverhalten mit Propellerantrieb zu erreichen – eine Linie, die bereits bei der RW-3 mit ihrem Druckpropeller ansetzt und später im Fantrainer ihren Höhepunkt findet.

Bereits vor diesen Projekten hatte Fischer mit der RF-1 ein Versuchsflugzeug geschaffen, das als Grundlage für die Entwicklung der integrierten Mantelschraube diente und zahlreiche Erprobungsergebnisse lieferte.

Für den von ihm entwickelten Mantelpropeller, den er als integrierte Mantelschraube konzipierte, erhielt Fischer ein Patent.

📘 RFB Sirius I / II (1969–1972):

Die Sirius-Versuchsträger markierten einen entscheidenden Schritt in der Weiterentwicklung des von Hanno Fischer konzipierten Mantelpropeller-Prinzips. Ziel war es, die Leistungsfähigkeit und das Flugverhalten eines vollständig im Rumpf integrierten Mantelschraubenantriebs experimentell zu erforschen.

Der erste Prototyp, Sirius I, entstand 1969 bei Rhein-Flugzeugbau auf Basis des Ganzmetall-Segelflugzeugs FK.3 von Otto Funk. Er erhielt zunächst einen 48-PS-Nelson-Motor, später zwei Fichtel & Sachs-Wankelmotoren mit je 20 PS, die gemeinsam einen zentralen Mantelpropeller antrieben. Die Maschine mit dem Kennzeichen D-KIFB absolvierte ihre Erprobung in Mönchengladbach und wurde 1969 auf dem Aerosalon in Paris vorgestellt.

Ab 1971 entstand mit der Sirius II ein weiterentwickelter zweisitziger Versuchsträger auf Basis der Caproni-Vizzola A-21 Calif, diesmal mit zwei 30-PS-Wankelmotoren und einem noch kompakteren Mantelpropeller-System. Fischer untersuchte hier die aerodynamische Integration des Strahlstroms und den Einfluss auf verschiedene Leitwerksanordnungen (hoch- und tiefliegendes Höhenleitwerk). Der Flug mit der Sirius II, Kennzeichen D-ELFU, fand erstmals am 18. Januar 1972 statt.

Der Antrieb bestand aus zwei hintereinander angeordneten Kreiskolbenmotoren, deren Zündsysteme miteinander gekoppelt waren, um eine Redundanz gegen Totalausfall zu schaffen – eine raffinierte Sicherheitslösung. Im Flug zeigte sich ein Beschleunigungsverhalten ähnlich einem Jet, da keine Drehmomente um die Hochachse entstanden und die Ruder unbeeinflusst vom Propellerstrahl blieben.

Beide Sirius-Modelle lieferten wertvolle Erkenntnisse für spätere Entwicklungen wie den RFB Fanliner und Fantrainer, insbesondere zur Effizienz von Mantelpropellern, Strahlführung und Geräuschreduktion. Die Sirius II wurde 1972 auf der ILA Hannover und der Farnborough Air Show gezeigt und gilt bis heute als Pionierarbeit auf dem Weg zum „Jet-Handling mit Propeller“.

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RFB Sirius II (D-ELFU, 1972): Zweisitziger Motorsegler mit zwei Fichtel & Sachs Wankelmotoren à 30 PS und integrierter Mantelschraube. Die Sirius II diente als Versuchsträger zur Erprobung von Mantelpropeller-Antrieben und Strahlführungseffekten.
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RFB Sirius I und II im Formationsflug:
Zwei Versuchsträger der Rhein-Flugzeugbau GmbH zur Erprobung des Mantelpropeller-Antriebs. Die Sirius I (1969) basierte auf der FK.3, die Sirius II (1972) auf der Caproni A-21 Calif. Beide dienten als fliegende Laboratorien für die Weiterentwicklung der integrierten Mantelschraube.

📘 RFB Fantrainer – Fischers „Jet-Training mit Propeller“ (1977–1980er):

Nach Sirius und Fanliner übertrug Hanno Fischer sein Konzept der integrierten Mantelschraube konsequent auf ein militärisches Schulflugzeug. Ziel: Jet-ähnliches Handling zu Propellerkosten.
1975 erhielt RFB den Auftrag für zwei Prototypen: AWI-2 (Wankelmotor) und ATI-2 (Allison-Turbine). Beide hatten den Ducted-Fan hinter dem Cockpit, den Antrieb im Schwerpunkt, verstellbare Blätter und – aus der LFU-205 abgeleitet – negativ gepfeilte GFK-Tragflächen. Das ergab saubere Ruderwirkung ohne Propellerstrahleinflüsse und ein Beschleunigungsverhalten, das Jet-Schülern vertraut wirkte.

Erprobung: Erstflug AWI-2 am 27.10.1977,

Eine typische Anekdote aus seiner Zeit bei RFB zeigt seinen fliegerischen Ehrgeiz: Beim Jungfernflug des Fantrainers war es den Konstrukteuren offiziell verboten, ihre eigenen Flugzeuge einzufliegen – das sollte ein Werks­pilot der MBB-Zentrale übernehmen. Hanno erklärte daraufhin, er müsse zur technischen Freigabe nur „ein paar kurze Sprünge“ machen. Dabei setzte er etwas zu spät wieder auf und musste zwangsläufig weiterfliegen – und hatte damit doch seinen eigenen Erstflug gemacht.

ATI-2 im Mai 1978. Beim Vergleichsfliegen der Luftwaffe 1978 setzte sich der turbinengetriebene Fantrainer fliegerisch gegen PC-7 und T-34C durch; eine Serie scheiterte jedoch an Kosten- und Beschaffungsentscheidungen.

Weiterentwicklung: Aus dem Erkenntnisgewinn entstanden FT-400 (Allison 250-C20B) und FT-600 (C30B). Für Thailand wurden ab 1984 32 FT-400 (Metallflügel, lokale Endmontage) und 16 FT-600 (GFK-Flügel) gefertigt bzw. aus Kits aufgebaut – ein wichtiger Technologietransfer, bei dem RFB-Konstruktion und Auslieferung der Mustermaschinen verantwortete.
Auf Basis der Fantrainer-Erfahrung folgten Konzepte wie Fanranger/Ranger 2000 und Tiro (FJ44-Turbofan). 2010 wurde die Idee mit dem „Fanjet 600“ neu belebt.

Einordnung: Der Fantrainer ist das reifste Schulflugzeug aus Fischers Mantelpropeller-Linie: Er verbindet sicheres Propeller-Betriebsfenster mit Jet-Typik, und wurde zum Brückenglied zwischen Fischer-Forschung (Sirius/Fanliner) und späten Projekten (Fanranger/Tiro).

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Zweisitziger Militärtrainer mit integrierter Mantelschraube hinter dem Cockpit – entwickelt unter Hanno Fischer für Jet-Handling bei niedrigen Kosten; Sieger des Luftwaffe-Vergleichsfliegens 1978, später in Thailand eingesetzt.

Bodeneffekt-Fahrzeuge (WIG): Von X.113/X.114 zu Airfish & Hoverwing (1969–2000er)

Mit Alexander Lippisch initiiert Fischer Ende der 1960er bei RFB die Bodeneffekt-Erprobung (Wasserflug-Versuchsträger X.113, X.114; letztere Erstflug 15. April 1977, Katamaran-Rumpf, Mantelschraube, Lycoming IO-360). Ziel: Nachweis hochseetauglicher Reichweite/Flugdauer (2000 km/20 h) und Effizienz im Bodeneffekt. Nach Zerstörung der X.114 1978 endet das Bundesprogramm; RFB stellt die Arbeiten ein.

Fischer Flugmechanik (FF, 1979): Hanno Fischer gründet in Mönchengladbach sein Ingenieurbüro, führt die Bodeneffekt-Forschung privat fort, u. a. mit Klaus Matjasic. Es entstehen die Airfish-Reihe (AF-1/-2/-3/-8) und die Hoverwing-Technologie (HW2VT, HW20, HW50/WSH500, HW80). Lizenzen gehen u. a. nach Australien/Singapur/Malaysia/Korea; der Wingship WSH500 (50 Sitze) basiert auf Fischers HW50-Konzept.

Technik & Patente: Stauflügel-/Bodeneffekt-Prinzipien, variable Schwimmer, Führung der Schubluft, Klappensteuerungen; zentrale Schutzrechte aus RFB-Zeit und FF (z. B. DE4010877). Forschung und Vermarktung über Fischer Flugmechanik mit Prototypenbau über Airfoil Development; großes internationales Interesse, wiederkehrende Zulassungs-/Zuständigkeitsfragen in Deutschland.

Whisperfan & Rückwirkung auf die RW-3 (ca. 1989–1990er)

Ende der 1980er/1990er entwickelt Fischer den FF Whisperfan (geräuscharmer Mantelpropeller). Als RW-3M-Versuchsträger dient die D-EKUM (V2): Umbau auf einen 150-PS-Wankelmotor und zwei seitliche Whisperfans. Nach Abschluss der Erprobung wurde das Flugzeug auf den ursprünglichen Heckpropeller mit Rotax-Motor zurückgerüstet. In Mönchengladbach wird in einem Lärmversuch eine deutliche Pegelreduktion (ca. 74 → ~62 dB(A)) bei gleichzeitig besseren Leistungsdaten dokumentiert; danach Rückrüstung auf Originalzustand.

Spätes Wirken, Mantelpropeller-Forschung & RWTH Aachen (2000er–2020er)

Fischer bleibt bis ins hohe Alter unternehmerisch und beratend aktiv (FF, Lizenzen, internationale Projekte). Universitäre Gruppen (u. a. RWTH Aachen/IST) führen das Thema geräuscharme Mantelpropeller weiter; Fischer besucht das Institut, Austausch von Historie und modernen Entwicklungs-/Simulationsmethoden.

Pilot bis ins hohe Alter – Außenlandung 2017 & Abschied 2024

19. Juni 2017: Außenlandung der RW-3 D-EKUM bei Moers-Kapellen nach Motoraussetzer. Niemand verletzt; Maschine bleibt weitgehend unbeschädigt – bundesweite Berichterstattung. Fischers Kommentar: Außenlandungen habe er „ein Dutzend“ erlebt.

15. November 2024: Fischer wird 100 Jahre alt – aerokurier würdigt ihn als „Legende der deutschen Nachkriegszeit“. 25. November 2024: Hanno Fischer verstirbt; Nachruf betont die RW-3 als erstes Motorflugzeug „made in Germany“ nach dem Krieg und Fischers Lebensleistung von RW-3 über Mantelpropeller bis zu WIG-Fahrzeugen.

Ausführliche Timeline (Meilensteine)

  • 1924: Geburt in Wünschelburg/Schlesien.
  • 1943–45: Ausbildung/Einsätze als Jagdflieger; 1. Mai 1945 Abschuss; 8. Mai 1945 Flucht mit Bf 108; anschließend 3 Jahre Gefangenschaft in Frankreich.
  • 1948: Rückkehr; Heirat; Beginn Fernstudium Maschinenbau.
  • ab 1951: FiBo 2 (Vorläufer der RW-3).
  • 1955: Gründung Rhein-Westflug (Köln-Porz).
  • 1956/57: RW-3 V1 D-EJAS / V2 D-EKUM Erstflüge.
  • 1958–61: RFB baut kleine Serie RW-3 in Mönchengladbach; 1959 LBA-Musterzulassung; 1960 FAA-Musterzulassung (Musterhalter wechselt zu RFB).
  • späte 1960er: Einstieg in Mantelpropeller-Erprobung (Sirius I/II).
  • 1973/76: Fanliner Prototypen (KKM871 Wankel, Colani-Design bei Fl-1).
  • 1977/78: Fantrainer AWI-2/ATI-2 Erstflüge; Vergleich mit PC-7/T-34C.
  • 1969–77: RFB X.113/X.114 Bodeneffekt-Erprobung (X.114 Erstflug 15.04.1977).
  • 1979: Gründung Fischer Flugmechanik (FF), Fortsetzung WIG-Programm.
  • 1987–2001: Airfish (AF-1/2/3/8) und Hoverwing (HW2VT→HW20/HW50/WSH500); Patent-/Lizenzprogramme, internationale Partner.
  • späte 1980er–1990er: Whisperfan; RW-3M (D-EKUM) als Versuchsträger; Lärmreduktion dokumentiert.
  • 19.06.2017: Außenlandung D-EKUM bei Moers-Kapellen; unverletzt.
  • 15.11.2024: 100. Geburtstag; 29.11.2024 aerokurier-Nachruf; 25.11.2024 Tod.

Einordnung & Vermächtnis

  • Wiederaufbau & Innovation: Die RW-3 als erstes in Serie gebautes westdeutsches Leichtflugzeug nach 1945 – technisch eigenständig (Druckpropeller, gekoppeltes Fahrwerk) und symbolträchtig für den Neustart der GA.
  • Mantelpropeller-Kette: Von Sirius über Fanliner zum Fantrainer – der Versuch, jetähnliche Eigenschaften kostengünstig bereitzustellen; viele Ideen fließen später in Whisperfan-/Fanranger-Konzepte ein.
  • Bodeneffekt: Mit X.113/X.114 und später Airfish/Hoverwing schafft Fischer eine zweite, maritime „Luftfahrtlinie“ – Flugschiffe zwischen Schiff und Flugzeug, die international bis heute weitergeführt werden.

Auch jenseits der Technik blieb Fischer Pilot: Die unaufgeregte Außenlandung 2017 mit D-EKUM steht sinnbildlich für sein praktisches Urteilsvermögen – und für den direkten Draht zwischen Konstrukteur und Cockpit.

Quellen (Auswahl & vertiefend)

  • Wikipedia – Hanno Fischer (Biografie-Überblick, Daten)
  • aerokurier – 100. Geburtstag (15.11.2024) & Nachruf (29.11.2024)
  • Wikipedia – RW-3 (Historie, Technik, Varianten; RW-3M-Hinweis)
  • Wikipedia – RFB Fantrainer / Fanliner (Mantelpropeller-Programm, Erprobung, Varianten)
  • Wikipedia – RFB X.114 (Bodeneffekt-Programm, Daten/Erstflug)
  • The Economist (2007) – Überblick zu WIG, internationale Rezeption (Airfish/Hoverwing)
  • Wikipedia – Ground-effect vehicle – Kurzüberblick zu FF/Airfish/FS-8
  • RWTH Aachen/IST – Besuch Hanno Fischer & Mantelpropeller-Forschung
  • Presse zur Außenlandung 2017 (regional & überregional)
  • Paul Zöller: „Rhein-Flugzeugbau GmbH und Fischer Flugmechanik“ (2016)